Wissenschaftliche Studien rund um die Faszien

Das Training mit einer Massagerolle soll bewirken, dass das Bindegewebe im Körper geschmeidig wird und die Leistungsfähigkeit gesteigert wird. Es kann angemerkt werden, dass Fitnessfreunde vom Faszien-Training umwerfend begeistert sind. Jedes Fitnessstudio, bietet momentan Faszienkurse an. Oder zumindest werden Faszienrollen angeboten. Gummibänder und Pilatesbälle sind nicht so angebracht. Faszienrollen sind aus hartem Schaumstoff, sie können ungefähr so lang wie ein Unterarm sein. Man bewegt sich mit Armen, Beinen oder auch dem Gesäß über diese Rolle. Anfangs tut es weh, es soll die Faszien massieren, die die Muskeln umgeben. Man könnte dieses Training auch als Bindegewebstraining bezeichnen.

Fitness für die Faszien

3D Aufnahme von FaszienDie häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit hierzulande sind Rückenschmerzen. Wiederkehrende Kreuzschmerzen, vor allem im unteren Lendenbereich betrifft rund ein Drittel der Deutschen. Jetzt rücken die Faszien in den Blickpunkt der Wissenschaft. Jahrelang wurde das Bindegewebe im Körper für ein unnötiges Füllmaterial gehalten. Doch die neuesten Forschungen haben nun enthüllt, dass das Bindegewebe einige sehr wichtige Funktionen hat. Es zeigt sich ein eigenständiges Organ, welches den Körper nicht nur formt und stützt, sondern auch viele Nerven, Schmerz- und Bewegungssensoren hat. Sie können eigenständig arbeiten, sie übernehmen die Kraftübertragung von Muskel zu Muskel und tun ihr Übriges, dass die Muskeln miteinander kooperieren.

Durch die vielen Bewegungssensoren die sich auf den Faszien befinden, wird das Bindegwebe zu einem wichtigen Organ der Körperwahrnehmung, welches sich sogar auf die Psyche auswirken kann.

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Erfolge der Wissenschaft

Forscher sieht in sein MikroskopDer Faszienforscher Schleip von der Uni Ulm ist den undurchsichtigen Bändern auf der Spur. Der studierte Psychologe beschäftigt sich mit den Faszien seit 1980, als er eine Ausbildung zur alternativen Körperwahrnehmung begonnen hat. Das Rolfing, von der Biochemikerin Ida Rolf aus den USA, stellt eine Massageform dar, die speziell auf das Bindegewebe wirken soll. Anstatt die Muskeln zu messen, messen Rolfing-Therapeuten dem Bindegewebe eine wichtige Rolle bei Verspannungen und bei Rückenschmerzen zu. Rolfing-Therapeuten sind auf dem freien Therapiemarkt tätig und müssen privat bezahlt werden. Es stellen sich viele Behandlungserfolge bei Rückenschmerzen ein. Das Gewebe wird weicher und auch der Gang wird  wieder geschmeidiger. Was Schleip aber nicht reichte, war der Hintergrund, sogenannte Erklärungskonzepte wie z.B. der esoterische Energiefluss im Körper.

Alternative Therapie in der Forschung

Schliep promovierte als Humanbiologe an der Uni Ulm und hat heute seine eigene Faszien-Forschungseinheit. Als Kollegin steht ihm die Neurophysiologin Jäger zur Seite. Sie ist Expertin für Muskelkrankheiten und chronische Rückenschmerzen. Zusammen haben Schleip und Jäger ein Gerät entwickelt, dass das Bindegewebe auf Stress-Botenstoffe reagiert.

Das Experiment wurde so ausgeführt, dass die Forscher Faszien in einer Flüssigkeit aufspannten und Stress-Botenstoffe zufügten. Danach zog sich das Gewebe zusammen, obwohl es keine Muskeln gab. Das zeigte, wie psychischer Stress über Botenstoffe auf das Bindegewebe wirkt und eine Verhärtung herbeiführen kann. Diese Prozesse werden von Schleip und Jäger als wichtige Entstehung von Rückenschmerzen betrachtet. Jäger bestätigt, dass bei Rückenpatienten die Faszien im unteren Rückenbereich verdickt sind und der komplette Bereich schmerzempfindlich ist.

Wunde und Risse in der Faszie

Frau mit NackenschmerzenDie Faszien können möglicherweise auch kleine Wunden und Risse bekommen. Entstehen können diese durch falsche und einseitige Belastung. Solche Verletzungen nennt man Mikroverletzungen, die in den Faszien zu Entzündungen führen können. Außerdem entstehen dadurch falsche Signale, die die Faszien an die Muskeln geben. Darauf können Muskelstörungen entstehen, die mit Verspannungen zu einem chronischen Rückenschmerz führen können.

Weltweit diskutiert man die Beteiligung der Faszien an der Schmerzentstehung. An der Uni Ulm planen Schleip und Jäger weitere Studien, die mehr Licht in die Faszien bei Schmerzen bringen sollen. Ein neues Ultraschall-Gerät soll auch zeigen, wie sich Faszien bei einem Training oder unter einer manuellen Behandlung verändern können.

Heilen mit den Händen

Manuelle Therapien wie die klassische Massage, aber auch das Rolfing, wirken auf das Bindegwebe. Sie regen dort den Stoffwechsel und den Flüssigkeitsaustausch an und führen dazu, dass Botenstoffe ausgeschüttet werden. Zarte Massagen sind imstande, die Verklebungen wieder zu lösen. Das Heilen mit den Händen könnte einen ganz neuen Wert erfahren, etwa Anerkennung und eine Finanzierung durch die Krankenkassen.

Das Zentrum für Faszienforschung in Ulm

An der Universität in Ulm werden Studien durchgeführt, die Normalwerte für die Steifigkeit der Faszien im Rücken, an der Achillessehne und im Schulterbereich bei einem gesunden Menschen ermitteln. Weitere Studien mit kranken Menschen sollen folgen, damit folgende Fragen geklärt werden kann:

  • Wie bewegt sich das Gewebe bei Patienten mit Rückenschmerzen?
  • Wie werden Werte verändert durch unterschiedliche manuelle Therapien, die Verspannungen und Schmerzen lösen wollen?

Gibt es einen Trend in der Sportmedizin

Muskeln sind gerade bei Sportlern gut austrainiert. Spitzensportler erhält seine Faszien durch das viele Training elastisch und beweglich. Man kann sich denken, dass ein Schwimmer ein lockeres Bindegewebe braucht, damit er seine Arme beim Kraulen weit von sich strecken kann.

Untersuchungen haben bereits ergeben: Kaputte Faszien sind Ursache für Schmerzen.

Normalerweise sind Faszien ein strukturiertes Gitternetzwerk. Werden sie aber zu wenig bewegt, beispielsweise bei einem umwickelten Bein (Gipsbein), dann breiten sich die Kollagen-Fasern in alle Richtungen aus, so wie bei einem verfilzten Oberteil. Befinden sich Faszien in diesem Zustand sind sie starr und sind für viele Schmerzarten, auch Rückenschmerzen, verantwortlich. Grund dafür sind die in den Faszien liegenden vielen Nervenenden, die bei Entzündungen oder Verletzungen des Bindegewebes Schmerzen vermelden.

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